Mooskopf's Blog

27.01.07 10:01  Drei Tage - zwei Biker - ein Weg

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"Der Westweg hat viele Gesichter - wir haben sie gesehen!" Die Idee, eine Mehrtages-Tour im Schwarzwald zu fahren, war schon lange da, aber es scheiterte bisher an der Umsetzung. Nachdem in der März-Ausgabe des Schwarzwald-Mountainbiker der Top-Touren-Tipp 2006 vorgestellt wurde, war uns klar: Wir fahren den Westweg!

Wir, das sind Andreas Gröschl aus Renchen-Erlach und Markus Wiegert aus Oppenau. Seit Jahren sind wir als begeisterte Mountainbiker vor allem im Schwarzwald unterwegs. Im Jahr 2004 riefen wir die Radsport-Abteilung der Betriebssportgemeinschaft Sparkasse Offenburg/Ortenau e.V. (www.bsg-so.de) ins Leben und versuchen seither, möglichst viele Kolleginnen und Kollegen für den faszinierenden und naturverbundenen Sport zu gewinnen.

Zwischen WOMC (Offenburg) und ULTRA-Bike (Kirchzarten) fanden wir noch genau drei freie Tage unter der Woche. Da der Top-Touren-Tipp 2006 auf vier Einheiten angelegt war, beschlossen wir kurzfristig, die Etappenanzahl auf drei zu komprimieren. Im Nachhinein betrachtet mussten wir allerdings feststellen, dass dies eine schweißtreibende und konditionell harte Entscheidung war. Unseren Ausgangspunkt verlegten wir von Pforzheim nach Ittersbach.

Etappe 1: Ittersbach - Wahlholz (88 km, 2.555 Höhenmeter)

Drei Tage - zwei Biker - ein Weg Blick ins Murgtal

Per Bahn ließen wir uns von Renchen über Karlsruhe nach Ittersbach chauffieren. Noch war es mit 12 Grad recht kühl, aber der Wetterbericht versprach drei regenfreie und sonnige Tage. Unser Gepäck konnten wir auf ein Minimum begrenzen, weil wir Kleidung, Material und Verpflegung für den nächsten Tag bereits vorher an unserem 1. Etappenziel Wahlholz (kurz nach dem Schliffkopf) deponiert hatten. In unseren Rucksäcken befanden sich somit nur 2 Schläuche, Mini-Tool, Windjacke, Armlinge, Handy, etwas Geld, Landkarte, Riegel, Gels und Obst.

An der "Schwanner Warte" hatten wir den ersten Kontakt mit der roten Raute und unser Entschluß stand fest: "Auch wenn es Ausweichstrecken gibt: Wir fahren den Westweg!" Schon die ersten Kilometer über Dobel und den Hohlohturm zeigten uns unmissverständlich, dass es keine Spazierfahrt wird. Hier konnten wir die ersten Panoramablicke in die Rheinebene und über den Schwarzwald genießen, die den Westweg so unvergesslich machen.

Ein traumhafter Downhill mit über 650 Metern Höhenunterschied erwartete uns Richtung Forbach. Es gab hier zwar eine beschriebene "Umgehung", aber diesen Trail wollten wir uns nicht entgehen lassen. Auf dem Weg, der durch einen Holzpolder etwas versteckt war, entdeckten wir einen Pavillion auf einem Felsvorsprung mit einem grandiosen Blick in das unter uns liegende Murgtal. Kurz danach wussten wir, was mit der Beschreibung im Top-Touren-Tipp gemeint war, der "sehr schwer zu fahrenden Singletrail" befand sich vor unseren Lenkern. Unten angekommen tankten wir unsere leergesogenen Trinkflaschen am Hexenbrunnen auf, der anlässlich 100-Jahre-Westweg errichtet wurde.

 

Drei Tage - zwei Biker - ein Weg An der Schwarzenbach-Talsperre

Eigentlich hatten wir vor, uns in Forbach an einer Bäckerei zu versorgen, aber leider mussten wir feststellen, dass dies um die Mittagszeit nicht möglich war. So haben wir uns einen Riegel geschnappt und den Anstieg in Richtung Schwarzenbach-Talsperre unter das Profil genommen. Hier ging es richtig zur Sache, steile und zum Teil unbefahrbare Trail-Abschnitte zwangen uns zum Schultern oder Schieben der Bikes.

 

Drei Tage - zwei Biker - ein Weg Der Mummelsee

Bei einer kurzen Verschnaufpause galt es wieder Kraft zu sammeln für den nächsten Anstieg auf die Badner Höhe mit dem Friedrichsturm (1.002 m). Von hier aus hatten wir die Hornisgrinde im Blick. Allerdings lag dazwischen noch ein Tal. Also: runter und gleich wieder rauf, vorbei an Untersmatt, direkt über den Ochsenstall und weiter, manchmal zu Fuß, zur Hornisgrinde (1.164 m). Dort stellte sich langsam ein Hungergefühl ein. Deshalb hielten wir uns nicht lange auf und fuhren auf einem groben Sandsteinweg teilweise über Treppen ab zum Mummelsee, um danach wieder den Anstieg zur Darmstädter Hütte mit anschließendem Blick auf den Wildsee zu nehmen. Die Abfahrt führte uns über den Skihang am Ruhestein weiter über den 1.000-Meter-Höhenweg. Dem "Hungerast" nahe wäre es Zeit für eine Abkürzung gewesen, aber "wir fahren den Westweg!", so kamen wir am Schliffkopf (1.055 m) an. Es folgte nun die Abfahrt zu unserem 1. Etappenziel Wahlholz (Schwiegereltern von Markus). Unterwegs dahin bot sich uns noch ein herrlicher Einblick ins Renchtal mit unserem "Hausberg" Mooskopf auf der gegenüberliegenden Seite.

Obwohl wir uns nach einer Dusche sehnten, setzten wir uns verschwitzt an den mit Kartoffelsalat, grünem Salat, reichlich Bratwürsten und frisch gebackenem Brot gedeckten Tisch und stillten unseren Hunger. Das Fazit nach dem ersten Tag: "Wenn du auf einem breiten Weg fährst und es zweigt rechts oder links ein kleiner steiler Pfad ab, dann hast du den Westweg gefunden."

Drei Tage - zwei Biker - ein Weg Höhenprofil der 1. Etappe

 

Etappe 2: Wahlholz - Thurner (96 km, 2.681 Höhenmeter)

Drei Tage - zwei Biker - ein Weg Durch jedes Matschloch ...

Nach einem reichhaltigen Frühstück und einem kurzen Check der Bikes starteten wir am Wahlholz gegen 10.15 Uhr zu unserer 2. Etappe. Wir hatten uns das Höhenprofil angeschaut und dachten, es würde heute eine "lässigere" Ausfahrt werden, aber es sollte anders kommen.

Das erste Teilstück bis Hausach, das geniale und kraftraubende Trails vorwies und nicht immer steil berauf oder bergab, aber immer steinig oder matschig war, zog sich und zog sich. Der Westweg führte uns über die Zuflucht bis zur Alexanderschanze. Weiter ging es mit Ausblicken nach Bad Peterstal-Griesbach und ins obere Renchtal, vorbei am Glaswaldsee und über eine schnelle Schotterpiste auf den Freyersberg. Unterwegs passierten wir den Harkhof und den Brandenkopf, bevor wir nach ca. 37 anstrengenden Kilometern endlich vom Spitzfelsen auf Hausach blicken konnten. Das war der Teil, den wir als "eher flaches leichtes Stück" vermutet hatten. Eine Singeltrail-Abfahrt, von der wir heute noch schwärmen, brachte uns nach Hausach, wo wir den am Vortrag verpassten Bäckereibesuch nachholten. Außerdem legten wir hier einen kurzen Bike-Shop-Stopp ein, bei dem wir bevorzugt bedient wurden. Danke nochmals.

Drei Tage - zwei Biker - ein Weg Hier ist Technik gefragt ...

Jetzt lagen 5 km mit 500 Höhenmetern vor uns. Das schien uns Grund genug, auf dem Farrenkopf das mitgenommene Vesper mit Speck und Brot zu verzehren. Vor der Hütte beratschlagten wir den weiteren Tourverlauf und legten das 2. Etappenziel kurzfristig auf das Thurnerwirtshaus fest. Diese Entscheidung teilten wir unserem Arbeits- und Teamkollegen Ralf Metzmacher mit, der sich bereit erklärt hatte, als Service- und Versorgungsmann an die Strecke zu kommen.

Die folgenden Anstiege über den Huberfelsen zum Karlsstein hatten es nochmal richtig in sich und machten unsere Muskulatur mürbe. Nun war es endgültig aus mit der Vorstellung einer "Relaxstrecke".

Drei Tage - zwei Biker - ein Weg ... hier natürlich auch.

Während einer Abfahrt auf Schotter sollte man nie zurückschauen. Ein kurzer Rückblick nach einem Schild - schon war es passiert. Wir hatten beide zurückgeschaut und Markus hatte dabei nicht gemerkt, dass Andreas langsamer fuhr. Ein Abdruck des Bar-Ends an Andreas' Unterarm und Schürfwunden an Markus' rechtem Knie, Oberschenkel, Ellenbogen und Schulter waren die Folge. Glücklicherweise ist nichts ernsthaftes passiert.

Die Ankunftszeit am Thurnerwirtshaus mussten wir telefonisch auf "kurz vor 21 Uhr" verschieben. Vorbei an der Kalten Herberge waren es nur noch 9 km bis zum Tagesziel. Dort wurden wir um genau 20.50 Uhr mit dem Schild "Durchgehend Warme Küche bis 20.30 Uhr" empfangen und wir dachten, dass das nicht wahr sein kann. Ralf erwartete uns schon eine ganze Weile und die Wirtin hatte doch noch Erbarmen mit uns. Spätestens die Bestellung ließ sie wissen, dass wir wirklich hungrig waren: "Jeweils eine doppelte Portion Kässpätzle, bitte, und zwei Cola-Weizen." Mahlzeit, wir waren wieder hergestellt.

Drei Tage - zwei Biker - ein Weg Höhenprofil der 2. Etappe

 

Etappe 3: Thurner - Kandern - Schliengen (98 km, 2.505 Höhenmeter)

Drei Tage - zwei Biker - ein Weg Einfach traumhaft!

Die dritte Etappe nahmen wir etwas früher in Angriff. Um 9.30 Uhr verließen wir das Quartier mit dem festen Tagesziel, um 18.00 Uhr irgendwo in Bahnhofsnähe das WM-Eröffnungsspiel Deutschland - Costa-Rica anzuschauen. Es war eine reine Wohltat am Titisee vorbei über Bärental, den Feldberg im Blick hinauf zum Zweiseenblick zu biken. Der Weg war angenehm breit und wäre da nicht immer wieder diese rote Raute gewesen, hätten wir angenommen, wir müssen falsch sein. Im Gegensatz zu den beiden Vortragen kamen wir richtig schnell voran.

Drei Tage - zwei Biker - ein Weg Der Weg.

Gegenüber Wanderern haben wir uns übrigens vorbildlich verhalten, immer freundlich gegrüßt und frühzeitig auf uns aufmerksam gemacht, um das Image der Mountainbiker aufzupolieren. Das ist auch unsere Empfehlung an jeden, der sich auf solch eine Strecke wagt.

Das nächste und höchste Ziel war der Feldberg (1.493 m). Bevor wir Richtung Wiedener Eck abfuhren, gab es die erste Stärkung auf dem Gipfel. Dem Hinweis, ab dem Wiedener Eck den Westweg zu verlassen und den Belchen auf Asphalt und dem Schwarzwald-Radweg zu umfahren, sind wir gefolgt. Durch Oberböllen und Neuenweg haben wir die Landstraße genommen und ehrlich gesagt, es tat richtig gut.

Endlich hatten wir unsere rote Raute wieder. Ihr folgten wir über herrlich schmale Pfade bis an den Fuß des Blauen (1.165 m), an dessen 2,5 km langen Rücken wir uns im geschlossenen Wald steil aufwärts kämpften. Die Anstrengung der letzten Meter wurde umgehend belohnt. Ein Rundumblick nach Basel, Kandern und den Rhein, der unseren Atem stocken ließ, eröffnete sich uns auf dem Gipfel. In diesem Moment waren alle Strapazen vergessen.

Drei Tage - zwei Biker - ein Weg Blick vom Blauen Richtung Basel

17.00 Uhr, noch genau eine Stunde bis zum Anpfiff. Ein kurzer Blick auf die Karte sagte uns, dass wir in Kandern den Westweg nach Schliengen verlassen würden. Eine knapp 10 km lange Abfahrt mit klasse Trail-Passagen und dazwischen nochmal einem kurzen, aber knackigen Anstieg trennte uns von Kandern. Auf Asphalt rollten wir nochmals 9 km unter Windschattenausnutzung bis Schliengen. Jetzt musste alles schnell gehen. In der Ortsmitte sprachen wir einen Passanten an: "Wir brauchen drei Dinge: einen Fernseher, ordentlich was zu Essen und den Weg zum Bahnhof." Zwei Minuten später saßen wir rechtzeitig zur Nationalhymne an der Theke einer Pizzeria. Geschafft! Während sich die Fußballer anstrengten, füllten wir unsere Akkus mit zwei riesigen Pasta-Tellern und Pizza.

Drei Tage - zwei Biker - ein Weg Hunger!

Für die Strecke Schliengen - Offenburg nahmen wir die Bahn, um dann die restlichen Kilometer per Rad nach Hause auszurollen. Der Dreck unserer bisher schönsten Mountainbike-Tour verschwand anschließend im Abfluß der ausgiebig genutzten Dusche. Die in knapp 20 Stunden zurückgelegten 282 km und 7.741 Höhenmeter werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.

Drei Tage - zwei Biker - ein Weg Höhenprofil der 3. Etappe

Also, genug vorgeschwärmt. Wir sehen uns im Wald.

Andreas Gröschl & Markus Wiegert
www.bsg-so.de

 




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von: mooskopf

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